Aus der Entwicklung und den Erfahrungen von NaturRefugium


Seit 25 Jahren beschäftigen wir uns als Quereinsteiger mit dem Thema Naturnahes Bauen. Neben der Restaurierung und Umgestaltung von zwei alten Bauerhäusern, dem Grafen-Anwesen in Oberndorf und dem Hirtenhaus in Simmelsdorf gab es auch mehrere Experimentalbauten.

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Bei einem 7-jährigen Aufenthalt als Gründer und Leiter einer Abteilung für Erneuerbare Energien an einer Berufsschule in Tansania, Ostafrika entstanden mehrere Schüler-Unterkünfte, Werkstatt-, Stall und Wirtschaftsgebäude.

In Simmelsdorf wurde auf dem Grundstück des Hirtenhauses ein Kompakthaus nach den Grundsätzen eines NaturRefugium Hauses errichtet. Dabei wurden alle statischen, planerischen und handwerkliche Tätigkeiten angewandt. Das Kompakthaus wurde im Winter mit Gas beheizt, mit einem Kostenaufwand von weniger als 200€.

Die Rechnung hatten wir allerdings nicht ganz ohne das Landratsamt gemacht.

Das Haus ist verfahrensfrei nach BayBO § 57. Allerdings hatten wir das Flachdach zu Verandadächern verlängert und die zählten plötzlich mit zum Rauvolumen hinzu. Durch entsprechendes Zurechtstutzen und einigen Diskussionen mit den verantwortlichen Beamten ist die Verfahrensfreiheit erhalten geblieben.

Verfahrensfreie Häuser und Umbauten sind eine Grauzone. Man kann sie einfach bauen, muss aber irgendwie sicher gehen, dass die Vorschriften eingehalten werden. Wir machen daher bei solchen Vorhaben immer eine freiwillige Bauanzeige bei der Gemeinde.

Die Idee für das NaturRefugium Haus entstand allerdings konkret bei der Restauration und liebevollen Umgestaltung des Simmelsdorfer Hirtenhauses. Das zum Abbruch vorgesehene Haus wurde entkernt, neu aufgeteilt und von einem Künstlerpaar mit liebevollen Details ausgestattet.

Die dort gewonnenen Erkenntnisse haben uns auch zu immer einfacheren und effektiveren Bauweisen erzogen.

Wir raten von allzu offenen Bauweise ab. Erstens brauchen Menschen Rückzugszonen und wollen sich nicht andauerd sehen. Zweitens bereiten große Räume immer viel Luftbewegungen, besonders bei hohen Räumen und über mehrere Stockwerke. Drittens kann man Räume gezielter beheizen und damit Energie sparen.

Schiebe- oder Falttüren und Fenster im Haus teilen Zimmer ab und verbinden sie doch.

Das Haus wurde mit einer hochmodernen thermischen Solaranlage mit 40m² ausgestattet, die uns schon bei der Installation viel Arbeit bereitet hat. Allein das Dachdecken unter und um die Anlage herum war ein Kraftakt. Obwohl die Anlage günstig war und großzügig bezuschusst wurde, können wir sagen: Es muss nicht sein. Der übliche Quadratmeter-Preis für eine Anlage mitsamt Pufferspeicher liegt beim Installateur bei 1500 €. Da kann man lange damit heizen, auch wenn wir eine Solaranlage günstiger aufbauen können.

Auch die Heizung mit einem Holzvergaserofen brauchte ihre Zeit, bis sie lief. Und bei einem Haus mit vier Wohneinheiten und zig Heizkörpern ist es nie einfach, alle Besitzer aufeinander abzustimmen. (Oder herauszufinden, wer durch Fehlbedienung das halbe Dorf verqualmt hat). Ich würde deshalb immer zu einer Gas-Brennwert-Etagenheizung raten, mit Fußbodenheizung oder großen Heizkörperflächen für gute Abkühlung des Rücklaufs. Das Flüssiggas und der Tank dazu sind günstiger als gedacht. Ein Kaminofen hilft in der Übergangszeit, wenn man Gas sparen will.

Eine Fußleisten-Heizung, von vielen als das Non-Plus-Ultra der Raumtemperierung gelobt, erwies sich als zu träge und und leistungsschwach und musste durch Flachheizkörper verstärkt werden.

Bei einer kleinen gut gedämmten Wohnung kann auch ein Kaminofen genügen, besonders wenn die Restwärme durch ein gemauertes Speicherelement ähnlich wie bei einem Grundofen oder als beheizte Sitzbank gespeichert und später abgegeben wird. Eine weitere Alternative wäre ein Split-Klimagerät mit hohem Umwandlungsfaktor.

Eine Elektro-IR-Strahler-Heizung wurde zum finanziellen Super-GAU. In einer recht ungedämmten, über zwei Stockwerke offenen Wohnung kostete uns ein Winter fast 5000 € an Strom. IR-Heizung – nein danke.

Es wurde auch die vereinfachte Fachwerk-Konstruktion mit bauaufsichtlich zugelassenen Konstruktionsschrauben das erste Mal ausprobiert. Die Festigkeit ist dabei wesentlich höher als beim herkömmlichen Fachwerkbau und in alle Richtungen, also auch auf Zug, vorhanden. Vereinfacht bedeutet nur die Verarbeitung gegenüber der klassischen Verzapfung. Auf Wunsch sind auch aufwändige Fachwerk-Konstruktionen mit viel Zierelementen wie bei historischen Häuser möglich. Die Konstruktion – für die es übrigens DIN-Vorgaben gibt – ist bei uns nun seit 10 Jahren problemlos im Einsatz.

Auf dem Gelände der Laufer Montessori-Schule entstand ein Koch- und Backhaus für Schülerklassen, bei dem wir das erste Mal die gegossenen Punktfundamente verwendet haben. Obwohl das Haus mit klassischen Fachwerk gebaut wurde, wurden es glattflächig und relativ modern mit Querdielen verkleidet.

Für das Haus gab es von Schülern und Lehrern viel Begeisterung und Lob.

Der Hingucker ist aber das geschwungene Satteldach mit Biberschwanz-Ziegeln, das durch die Laubbäume hindurch fast wie ein japanisches Häuschen aussieht.

Ein weiteres interessantes Projekt war ein Häuschen, das auf Ständern um einen Fichtenstamm herum gebaut wurde, mit einem Satteldach mit Bibersschwanz-Ziegeln. Da der Baum im Wind schwankt, musste eine elastische Folie als Übergang eingesetzt werden.

Weil wegen vorgeschriebener Abstandsflächen der Grundriss trapezförmig war, ergab sich eine besondere Dachform, die wegen ihrer Kuriosität so gelassen wurde.

Bei all unseren Arbeiten ziehen wir ein Bauplanungsbüro hinzu, das für die vorschriftengerechte Ausführung, für die Statik und die Baugenehmigung sorgt.

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