Thermoreflex – die ganz andere Wärmedämmung

Wir haben ja schon mehrmals darauf hingewiesen, das saugende Dämmungen – und dazu gehören auch die beliebten Styropor-Fassaden – nicht das Gelbe vom Ei sind, was Umweltschutz und Energieersparnis betrifft. Sie können sich voll Feuchtigkeit saugen, auch aus dem Hausinneren. Sie verrotten und verlieren ihre Wirkung als Dämmung. Und innen blüht der Schimmel.

Hier hast Du die Möglichkeit, mal den ganz normalen Horror azusehen, dem Hausbesitzer „gedämmte“ Hausbewohner heutzutage ausgesetzt sind. Link

Außendämmung verhindert Speicherung von Sonnewärme und führt zu erhöhter Veralgung. Meist sind Fungizide beigemischt, die langsam an die Umwelt abgegeben werden, damit es nicht grün wird. Und dann haben wir da noch die Spechte und die Brände. Link

Bevor du auf weiterlesen klickst: Das ist etwas ganz Tolles, schon beinahe Sensationelles. Aber man sollte sich Ruhe und Zeit dazu nehmen.

Der andere Weg

Um zu verhindern, dass Wärme nach draußen abwandert, gibt es verschiedene Wege. Und einer beginnt in den holzgetäfelten Wohnstuben von Bauernhäusern.

Mein Großvater ließ sich nach dem Krieg die Wohnstube täfeln, ohne Hinterlüftung. Dort herrscht immer ein angenehmes Wohnklima, auch weil ein Kachelofen dort steht. Eine Holzvertäfelung macht den Raum warm. Warum?

Wärme wird im Haus und hinaus transportiert durch

  • Konduktion (Wärmefluss im Material)
  • Konvektion (Wärmetransport durch erwärmte Luft)
  • und Radiation (Wärmestrahlung durch infrarote Strahlen)

wobei Wärmestrahlung über die Hälfte des Transports ausmacht.

Also im einzelnen:

Radiation: Wärmestrahlen gehen vom Heizkörper oder Ofen aus, werden von Wänden und Gegenständen absorbiert und erwärmen diese. Diese Gegenstände strahlen wiederum ab. Auch die Außenwände strahlen wiederum das ab, was sie von innen abbekommen. Glas lässt zwar keine Wärmestrahlen durch, aber es absorbiert einen Teil davon, transportiert es nach außen und strahlt es wiederum ab.

Dabei gilt folgendes: Alles (bis auf Sauerstoff und Stickstoff) strahlt umso stärker als es sich über dem Temperaturnullpunkt (= -273 °C) befindet. In einem Zimmer ohne Luftbewegung gibt es deshalb nach einer gewissen Zeit überall die gleiche Temperatur. Weil sich aber immer was bewegt, tritt das nur in Grenzen ein.

Konvektion: Luft wird von der Heizung erwärmt, steigt auf, erwärmt die kalten Außenwände etwas, wird dabei kalt und sinkt zu Boden. Es entsteht eine Luftumwälzung mit mehreren Grad Unterschied zwischen Fußboden und Decke. Die Luftbewegung kann so stark sein, dass ein Zug entsteht; deshalb muss die Raumtemperatur erhöht werden. An der Außenseite des Hauses transportiert sich bewegende Luft (Auftrieb und Wind) die Wärme ab. Auch Fenster werden von der sich bewegenden Luft innen aufgewärmt und außen abgekühlt. Weil sie die kältesten Bauteile sind, geschieht dort der meiste Wärmetransport. Denn: Je höher der Temperaturunterschied ist, desto stärker ist der Wärmeübergang.

Konduktion: Das ist der Wärmefluss im Material. Je dichter das Material ist, desto schneller fließt die Wärmeenergie von der warmen zu kalten Seite. Glas und Stein sind gute Leiter und leiten die Wärme schnell nach außen. Luft ist ein schlechter Leiter – außer sie wälzt sich um. Deshalb wird die Luft von vielen Fasern umgeben, damit sie sich kaum bewegen kann, also z.B. im Styropor oder in der Mineralwolle. Allerdings bewegt sie sich doch ein bisschen – und die Fasern leiten doch die Wärme weiter. Deshalb schafft es die Sommersonne trotz Dämmstoffen die Dachräume aufzuheizen.

Wir haben es deshalb mit 2 verschiedene Wärme-Wegen zu tun, die gleichzeitig ablaufen:

Str = Wärmestrahlung

Umw = Luftumwälzung

WL = Wärmeleitung

Also:

1. Heizung >> Str >> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str + Umw.

Und:

2, Heizung >> Umw.>> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str + Umw.

Jetzt kommt aber noch was hinzu: Solange es draußen hell ist, erwärmt Sonnenlicht, auch das diffuse, die Wände, Auch an der Nordseite, Dort ist es nicht viel, aber ein paar Grad ist die Nordwand trotzdem wärmer als in der Nacht. Und das verringert den Wärme abtransport.

Also heißt es richtig:

1. Heizung >> Str >> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str + Umw. << Licht

Und:

2. Heizung >> Umw.>> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str + Umw. << Licht

Nun kommt aber noch was dazu: Der Wärme-Übergang von einem Medium aufs nächste. Der verzögert nämlich den Wärmetransport zusätzlich.

Dann sieht das so aus;

Heizung  >> Str >> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str. + WÜ >> Umw << Licht

und 

Heizung >> WÜ >> Unw >> WÜ >> Wand innen >> WL >> Wand außen >> Str + WÜ >> Umw << Licht.

Okay, bevor ihr aufgebt, will ich mal zusammen fassen: Der Wärmefluss hängt von vielen Faktoren ab; Wärmestrahlung, Wärmeübergang, Umwälzung, und Wärmeleitung plus solarer Einstrahlung von außen.

Aaaaber: Beim K-Wert oder U-Wert wird nur die Wärmeleitung berechnet und der Rest übersehen. Dabei kann der Rest bis zu 90 Prozent Anteil in der Wärmedämmung betragen. Wenn wir nur die Wärmeleitung betrachten, dann brauchen wir bis zu einen halben Meter dicke Wände mit viel Schaum oder Faser-Material.

Und jetzt kommen wir zur Täfelung unserer Bauernstube. Die macht nämlich folgendes:

Sie fügt etwas hinzu (keine Angst, ich schreibe nicht alles auf):

1. Umw >> WÜ >> Täfelung innen >> WL >> Täfelung außen >>WÜ >> Umw

und

2.  Str >> Täfelelung innen >> WL >> Täfelung außen Str + WÜ >> Umw

diese zwei Wege kommen also noch zum Obigen dazu. Es ist gar nicht so einfach für die Wärme, abzuhauen. Es wird nach dem Einheizen schneller warm, und es fließt weniger Wärme ab.

Und nun kommen wir zu unserer Wärme-Reflexfolie. Das ist im Endeffekt eiene Alu-verspiegelte Folie mit einem Luftpolster. Die Folie erfordert jetzt zusätzlich vier Wärmeübergänge

1. Umw >> WÜ >> Folie 1 innen >> WL >> Folie 1 außen >> WÜ >> Umw >> WÜ >>Folie 2 innen >> WL >> Folie 2 Außen >> WÜ >> Umw,

Außerdem spiegelt sie über 90 % der Wärmestrahlung zurück und auf der anderen Seite der Folie strahlt sie nur 30% der restlichen Wärmeenergie ab, also:

2. Str >> << 90% Folie innen >> WL >> Folie außen >> 30% x Str

So, und um nun die Sache abzurunden, kommen jetzt noch drei verspiegelte Folien mit Luftspalt dazu.

Das sind sechs weitere Wärmeübergänge, drei mal 90 % der Strahlung reflektiert und drei mal nur 30% der Energie abgestrahlt. Jemand hat mal ausgerechnet, dass das ungefähr 40 cm Mineralwolle entspricht. Unsere Folie ist nur 1,5 cm dick, wiegt fast gar nichts, ist aus PE und lässt sich wunderbar recyclen. Ein Wunder der Bauphysik.

Und wie sieht nun die Wand des Naturhauses aus?

  • 12 cm bis 14 cm Fachwerk mit massiver Ausfachung
  • Auf Wunsch verputzt
  • Wärmereflex-Folie mit Konterlattung 2-3cm
  • Holzvertäfelung oder Holzfaserplatte (Heraklit)
  • Auf Wunsch verputzt.

Eine supergedämmte Wand also, weniger als 20 cm Gesamtdicke. Bis auf die Folie sind das alles Naturbaustoffe.

Und nun die Frage, die jetzt kommen musste: Mach die Folie nicht das Haus dicht? Es kann ja dann nicht mehr atmen.

Antwort 1: Sei froh, dass die Folie da ist, so ein Fachwerk ist nie ganz dicht. Das zieht sonst wie Hechtsuppe.

Antwort 2: Wenn du ein bisschen Dampfdifussion haben willst, dann perforieren wir das im 10-Zentimeter-Raster. Das genügt, aber vorher sollten wir überlegen, ob wir es nicht lieber zu lassen wollen. Kommt nämlich warme, feuchte Luft durch die Löchli an die kalte Außenwand, dann kondensiert dort die Feuchtigkeit. Eine gute Fachwerkwand kann das bisschen zwar locker vertragen, aber provozieren wollen wir das nicht.

Antwort 3: Die Feuchtigkeit einer Wohnung kannst du nicht durch die Wände regulieren. Die Folie ist eine klare Grenze. Innen ist es nur die Holztäfelung (oder Heraklit plus Putz), die trocken gehalten werden muss. Dazu erfährst Du mehr im Kapitel Lüftung. Außen die Fachwerkwand, die von er Sonne erwärmt und getrocknet wird.

Ich habe mir jetzt die Mühe gemacht, das zu erklären und komme selber zu dem Schluss: Das ist die pefekte Wand für ein langlebiges Naturhaus, mit einer Wärmedämmung, die mit jedem modernen Haus mithalten kann.

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